DER FREIBURGER FOTOGRAF FELIX GROTELOH ÜBER DAS FOTOSHOOTING UNSERES ENSEMBLES FÜR DIE SPIELZEIT 2019/20
Felix, wie kommt ein Musiker und Gitarrist dazu, Fotograf zu werden?
Ich habe Musik studiert, zwanzig Jahre als Berufsmusiker gearbeitet und schon damals mit so einer kleinen Miniknipse rumgespielt. Aufgrund eines Artikels im SPIEGEL über HDR-Fotografie (High Dynamic Range Fotografie) hab ich mir dann eine Spiegelreflexkamera gekauft mit Objektiv. Zu der Zeit hab ich abends in Bremen Palazzo gespielt, eine Dinner Show. Man steht abends auf der Bühne und hat tagsüber im Hotel nichts zu tun. Da hab ich eben die ganzen Ensemble-Leute angefragt, die brauchen ja auch Fotos und haben meistens schlechte. Das war dann mein erstes Fotoshooting im Studio. Das hat irgendwann so eine Eigendynamik angenommen, bis die Fotografie so viel geworden ist, das ich mich entscheiden musste, ob ich jetzt Fotos mache oder weiter Gitarrist oder Musiker bin. Zum Schluss war die Entscheidung relativ einfach, weiterhin Fotos zu machen und weniger Musik.
Der Grund, wieso ich Fotograf bin, ist, daß ich mich sehr schnell langweile und in der Fotografie die Sachen sehr schnell sind. Die Abwechslung, das macht mir Spaß und das war in der Musik eben nicht so gegeben, deswegen ist mir die Entscheidung dann leicht gefallen. In der Fotografie fühle ich mich einfach wesentlich wohler als vorher in der Musik. Und es entspannt mich auch, da ich ja dachte, ich bin Musiker und auf einmal, nee, das bist du ja doch nicht.
Vielleicht mach ich ja morgen auch irgendwas ganz anderes und mach keine Fotografie mehr. Ich bin da jetzt einfach ein bisschen entspannter als in der Musik, durch diesen großen Wechsel im Leben, muss man doch so sagen.
Was für eine Fotografie interessiert Dich?
Mich interessiert eigentlich alles, aber zum Großteil interessieren mich Menschen. Ich schieße gerne Portraits, ich hab gern mit Menschen zu tun. Produktfotografie, Tütensuppen fotografieren ist nicht so meins, da geht die Qualität stark in den Keller, wenn ich so etwas mache. Ich funktioniere ganz gut, wenn ich mit Menschen zu tun hab. Das kann dann auch Architektur-Fotografie sein, in der Menschen drin sind. Reportagen interessieren mich, ich mach ganz gerne Werbefotografie. Dabei versuche ich, Relevanz zu schaffen. Was meistens über Menschen geht.
Was verbindet Dich mit dem Theater Freiburg?
Hahaha, das ich das Spielzeitheft mit euch zusammen gemacht habe! Ich habe mit dem Theater Freiburg bis jetzt wenig zu tun gehabt. Würde mich aber freuen, wenn wir mehr zusammen arbeiten oder längere Arbeit haben. JA!!!
Wie bist Du auf die Fotostrecke für das Ensemble gekommen? Wie war das Shooting?
Ihr wolltet ja wieder an die Menschen rankommen, an das Ensemble, und da lag es für mich auf der Hand, einfach sehr simple Portrait-Fotografie zu machen: die Leute zeigen, wie sie sind und die Schauspieler aus ihrer Rolle rausnehmen. Es gibt kein Makeup (zumindest keinen Makeup-Artist), die Leute mussten sich selbst schminken, so wie sie halt im wahren Leben unterwegs sind. Außerdem gab es bei diesen Close-Ups keine Posen oder Mimik. Es gab ein Lichtsetup, eine Kameraperspektive und ein ganz einfaches Portrait ohne Schnick-Schnack, geradeaus, ehrlich, spektakulär unspektakulär. Besonders gut entfalten die Ihre Wirkung, wenn man sie groß aufzieht. Das Shooting war sehr gut. 15 Leute pro Tag, d. h. eine halbe Stunde pro Person, eine Art Speed-Dating. Ich wollte offene Portraits, wo sie kurz das Zepter aus der Hand geben für eine 125stel Sekunde im Studio. Diese Leichtigkeit zu haben, kann anstrengend sein. Aber es war gut, ich bin zufrieden.
An welchen Projekten arbeitest Du derzeit? Was kommt als nächstes?
Eine Reportage in der Schweiz, dann Werbefotografie für einen großen Autohersteller, ein Shooting für ein Magazin in Kassel, dann in Frankreich mehrere Kampagnen. Ein freies Projekt habe ich gerade gar nicht, das nagt auch ein bisschen an mir. Ich hab da einen Haufen Ideen, die will ich jetzt aber nicht kundtun, weil das jetzt alles noch sehr, sehr ungelegte Eier sind. Außerdem bremst mich das ganze Bürozeug auch ein bisschen aus … Tatsächlich ein Shooting zu haben, Reportagen und Portraits zu schießen, wirklich Kontakt zu haben, das macht mir am meisten Bock.
Das Gespräch führte Tim Lucas.